Technologie vor 286 Tagen

1.167-Kilometer-Testfahrt im
QUANTiNO

Am frühen Morgen machte das Fahrer-Team sich fertig für die Testfahrt mit dem QUANTiNO. Das Augenmerk liegt heute erneut auf der Temperaturentwicklung bei hoher Dauergeschwindigkeit. Genauer gesagt, alle elektrischen Systemkomponenten werden unter Dauerbelastung auf Temperaturschwankungen getestet. Die äußerst kompakte Niedervoltarchitektur des QUANTiNO ist ein automobiles Novum. Denn es ist nicht nur der Flusszellenantrieb, der den QUANTiNO besonders macht, er ist auch weltweit das erste straßenzugelassene Elektroautomobil mit einem leistungsstarken Niedervolttraktionssystem.

Der nanoFlowcell-Antrieb im QUANTiNO wurde bereits unter den verschiedensten Witterungsbedingungen getestet - und Schweiz-typisch auch zu Berg und zu Tal. Nachdem der Stromer im Februar erfolgreich seinen ersten 14-stündigen Ausdauertest absolviert hatte, standen in Folge verschiedenste Testreihen an. Heute geht es nochmals auf die Autobahn - die nanoFlowcell wird wiederholt unter Dauerbelastung stehen. Mindestens 1.000 Testkilometer sollen heute zusätzlich auf den Tacho kommen.

Es ist ein wunderschöner Spätsommertag, an dem die Sonne Menschen ins Freie zieht. Der QUANTiNO ist startklar für einen längeren "Ausflug", den die Testingenieure des nanoFlowcell Entwicklerteams für heute geplant hatten.

Das System steht kurz vor der Marktreife. Letzte Feinheiten in der Steuerungssoftware wurden austariert. Ebenso experimentiert man mit unterschiedlichen Konzentrationen der bi-ION Elektrolytflüssigkeit. Research never stops.

Die nanoFlowcell, als der eigentliche Energiespeicher an sich, ist bereits fertig entwickelt. Derzeit ist es die Abstimmung des QUANT-Testfahrzeugs, die nicht ganz ohne Herausforderungen ist. Doch man hatte sich bewusst für die komplexeste Anwendung entschieden - den Einbau der nanoFlowcell in ein Elektrofahrzeug - um das Leistungsvermögen der nanoFlowcell-Technologie eindrucksvoll demonstrieren zu können. Anstatt einen fertigen "EV-Baukasten" zu nehmen, entschied man sich für die langwierigere Entwicklung eines eigenen und eigenständigen EV-Konzepts. Einerseits sollte die Technologie nicht bereits in der Entwicklung mit einer bestimmten Automobilmarke identifiziert werden. Andererseits hatte man so eine größere bauliche Flexibilität, denn schließlich gilt auch bei den QUANT-Modellen: "form follows function".

Anders als vielleicht der QUANT FE provoziert der QUANTiNO nicht das Verlangen anderer Autofahrer nach Kräftemessen. Köpfe drehen sich dennoch - der QUANTiNO ist (noch) ein Exot auf der Straße - und sein Design lässt vermuten, was sein Antrieb liefert: Elektro-Innovation pur. Hier entsteht Zukunft.

Es ist ein schöner Tag. Wenn nicht die Messgeräte im Auto aufgebaut wären und der Co-Pilot nicht konzentriert die aktuellen Messwerte auf seinem Laptop verfolgen würde, könnte man dies glatt für eine Spritztour halten.

Bei Autobahngeschwindigkeit liefern die beiden Pumpen kontinuierlich Elektrolyte an die Flusszelle - unermüdlich wandelt die nanoFlowcell chemische Energie in Elektrizität um.

Der Motor summt. 12.500 Umdrehungen pro Minute. Ein spontaner Kick-Down wird mit unmittelbarer Beschleunigung goutiert. Was für ein Durchzug! Selbst bei Geschwindigkeiten oberhalb der 100 km/h erfreut der QUANTiNO mit einem ausgeprägten Beschleunigungsschub.

Klack. Der Tageskilometerzähler springt auf 1.000 um. Die Zielvorgabe wurde erreicht. Der Verbrauch des QUANTiNO lag im Durchschnitt bei erwartungsgemäßen 12 kWh pro 100 Kilometern. Sobald die nanoFlowcell regelbar ist, wird laut Entwicklung hier noch Einsparpotential freigesetzt werden können.

Auf dem Rückweg Stop-and-Go durch die Innenstadt Zürichs. Bei jeder Bremsverzögerung rekuperiert das System freiwerdende Bremsenergie, die in einer Pufferbatterie zwischengespeichert wird. Der QUANTiNO ist mehr als nur ein Testfahrzeug - er ist ein erwachsenes Elektrofahrzeug, das technische Produktionsreife hat. Nach 1.167 Kilometern und etwas weniger als einer Tankfüllung ist für heute Feierabend für Testfahrer und Co-Pilot.

Justin Schmöller, autogespot.de, 2016

Langsamer Verkehr ist vorteilhaft für die jugendlichen Erlkönigjäger am Bürkliplatz, die hier am Wochenende auf Fotojagd nach Autos machen, die teuer, schnell oder exotisch aussehen. Man erkennt auch ohne die ansonsten industrieübliche Camouflage, dass der QUANTiNO kein "normales" Auto ist.

Die Kilometerleistung der bisherigen Testfahrten reicht für mehrere Erdumrundungen. Es steckt viel Zeit in der Entwicklung. Die Abstimmung der antriebsseitigen Steuersysteme im QUANTiNO ist Neuland im Automobilbau. Es gibt bislang keine Erfahrungswerte, auf die das Entwicklungsteam der nanoFlowcell zurückgreifen konnte - sowohl der nanoFlowcell-Antrieb als auch das Niedervolttraktionssystem im QUANTiNO sind weltweit einzigartig. Noch wenige Wochen, bis zur Live-Premiere - der ersten Testfahrt mit Einbezug der Öffentlichkeit. Doch bis dahin gilt es, noch umfangreiche Testreihen mit dem QUANTiNO zu absolvieren.

Die letzten Sonnenstrahlen der untergehenden Sonne reflektieren auf den Wellen des Züricher Sees. Das Design des QUANTiNO zog heute viele neugierige Blicke auf sich und entlockte das ein oder andere "Cool" - was hätten die Betrachter erst gesagt, wenn sie gewusst hätten, dass sie heute vor dem revolutionärsten Elektroauto der Welt standen. An einer x-beliebigen Kreuzung, mitten in Zurich.

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