Technologie vor 524 Tagen

Wie ein Phönix aus der Asche

LEDs, Smartphones, nanoFlowcell®: was disruptive Innovationen besser können.

Disruptive Innovationen beginnen als kleine Nischeninnovation und lösen in Folge oft eine Marktrevolution aus. Nicht die etablierten Großunternehmen schreiben die Erfolgsstorys über disruptive Innovationen, sondern kleine, junge Unternehmen wie nanoFlowcell. Sie sind flexibel und haben keine innovationsfeindlichen, starren Hierarchien. Wie unterschiedet sich der Ansatz der nanoFlowcell Holdings Ltd, dabei von dem der Tesla Motors?

Eine disruptive Technologie ist eine technologische Innovation, die ein etabliertes Produkt möglicherweise vollständig vom Markt verdrängen könnte. Ein Beispiel hierfür sind LED-Leuchten, die aufgrund ihrer besseren Energieeffizienz herkömmliche Glühbirnen als Leuchtmittel abgelöst haben - den Markt für Glühbirnen sozusagen "zerstört" haben. Oder aber Mobiltelefone, die zunächst den Festnetztelefonen leistungstechnisch unterlegen waren, in Folge aber technisch soweit verbessert wurden, dass die heutigen Smartphones die Festnetztelefonie fast vollständig abgelöst haben.

Martin Cooper, der Erfinder des Mobiltelefons mit einem DynaTAC-Prototypen von 1973 (im Jahr 2007) (Bild Wikipedia) und aktuelles Apple iPhone (Bild Apple)

Etablierte Firmen können durch neueintretende Unternehmen, die mit einer innovativen, disruptiven Technologie in den Markt drängen, massiv in Gefahr geraten und im schlimmsten Fall ihren gesamten Kundenstamm und damit die Grundlage ihres Geschäftes verlieren.

Zwar verfügen etablierte Hersteller über das Know-how in ihrem Kerngeschäft und die Ressourcen, um Innovationen vorantreiben zu können, doch meist sind diese Unternehmen lediglich bestrebt, die Leistung ihrer bisherigen Produkte und Dienstleistungen kontinuierlich weiterzuentwickeln (Sustaining Technology) und orientieren sich dabei an den Bedürfnissen bereits bestehender Kunden. Schrittweise verbesserte Produkte und ein gefestigter Kundenkreis bedeuten eine sichere und kontinuierliche Absatzmöglichkeit.

Im Gegensatz dazu ist eine Disruptive Technologie bei ihrer Markteinführung den aktuellen konkurrierenden Technologien in ihrer Leistung meist unterlegen. Sie weist dafür aber neue Produktattribute auf, die zwar für Kunden etablierter Hersteller meist nicht kaufentscheidend sind, die jedoch für kleinere Kundensegmente dagegen umso interessanter sein können. Für die Marktführer sind diese kleinen Kundensegmente wenig attraktiv, da diese oft nicht sonderlich lukrativ sind.

Ford Model T: das erste massengefertigte und kostengünstige Automobil, das im Gegensatz zu den elitären Fahrzeugen der automobilen Anfangszeit, den Transportmarkt revolutioniert. FORD Model T - eine disruptive Innovation.

Für neue Marktteilnehmer aber sind diese kleinen Kundengruppen durchaus interessant, da der Wettbewerb um diese Käufer nicht stark ausgeprägt ist und der Zugang zu den Kundengruppen etablierter Unternehmen durch höhere Eintrittsbarrieren (Marketing, Vertrieb, Service, etc.) ohnehin erschwert ist. Schaffen Newcomer es dann noch, ihre neue Technologie so weiterzuentwickeln, dass sie im Verlauf der Zeit auch loyale Kunden etablierter Firmen überzeugt, so kann eine Kunden-Abwanderung von den etablierten Unternehmen hin zu den Newcomern stattfinden. Je vehementer dieser Prozess abläuft, desto weniger aussichtsreich ist eine Reaktion etablierter Firmen auf die Bedrohung durch eine disruptive Technologie. Der Newcomer kann sich etablieren.

Wurde ein solcher disruptiver Technologie-Prozess von Tesla bereits initiiert?

Der Theorie-Begriff der disruptiven Technologie wurde von Clayton M. Christensen (>) aufgestellt, Professor an der Harvard Business School, dessen Forschungsschwerpunkt innovationsgetriebenes Unternehmenswachstum ist.

Prof. Clayton M. Christensen von der Harvard Business School

Christensen wurde gefragt, ob Tesla einen disruptiven technologischen Fortschritt darstellt, der die Geschäftsbasis etablierter Automobilhersteller vernichten könnte. Christensen beauftrage seinen Forschungsassistenten Tom Bartman und dessen Team, dieser These nachzugehen. Ist Tesla für die Hersteller von Millionen von Automobilen mit Verbrennungsmotor das, was die LED für die Glühbirne war?

Nach eingehenden Studien kam das Forscherteam der Harvard Business School zu dem Ergebnis, dass Tesla zwar einen technologischen Fortschritt erreicht hat (Sustaining Technology), aber keine disruptive Technologie darstellt. Tesla liegt durchaus richtig in der Annahme, dass die Kundennachfrage nach Elektrofahrzeugen steigen wird. Bartman und sein Team prognostizieren für diesen Fall, dass etablierte Hersteller wie GM, Toyota, Nissan, et al. sehr schnell ihre bestehenden Produktionskapazitäten, Zulieferbasen und Vertriebsnetze auf Elektrofahrzeuge umstellen werden, um der möglichen Bedrohung durch Tesla zu entgehen. (>)

Elon Musk bei der Vorstellung des Tesla Model 3 am 31. März 2016 in Los Angeles.

Unwiderlegbar hat Tesla es geschafft, als Newcomer im Automobilmarkt der Besserverdiener, einen Hype für Elektrofahrzeuge auszulösen, doch keinen großen Schrecken bei etablierten Automobilherstellern. In der Industrie weiß man, dass Lithium-Ionen-Technologie weder nachhaltig ist, noch die dafür benötigten Rohstoffe für die Bedienung eines Massenmarktes ausreichend vorhanden sind. Immerhin haben etablierte Hersteller den Markt elektrischer Fahrzeuge nicht komplett ignoriert: Nissan Leaf und Chevy Volt/Opel Ampera verkauften sich bislang häufiger als alle Tesla Modelle zusammen. Fast alle anderen Hersteller haben zumindest ein Alibi-Elektrofahrzeug im Programm. Doch gemessen am Gesamtmarkt ist der Anteil der Elektrofahrzeuge verschwindend gering.

Der Markt für Elektrofahrzeuge ist also überschaubar und nur wenige Wettbewerber bedienen eine verhaltene Nachfrage. Für das Team der nanoFlowcell stellte sich die Frage: Gibt es keinen Markt oder gibt es einfach keine der Nachfrage entsprechenden Produkte im Markt?

Die Leistung aktueller Elektroautos reicht noch nicht an die von vergleichbaren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor heran. Automobilhersteller hadern mit der aus ihrer Sicht mediokren Leistung aktuell verfügbare Batterietechnologien. Verbraucher scheuen nicht nur die hohen Kosten für Elektrofahrzeuge, vielmehr sind die beschränkten Reichweiten, limitierten Geschwindigkeiten und langen Ladezeiten der Elektrofahrzeuge die größten Kaufhinderungsgründe. Daran werden auch Kaufanreize und staatliche Subventionen, wie derzeit in Deutschland diskutiert, nichts ändern.

Wenn Tesla also keine nachfrageorientierte Industrieveränderung bewirkt, wer oder was dann?

nanoFlowcell® entspricht durchaus Clayton Christensens Kriterien einer disruptiven Innovation. (>) Mit seiner Erfindung einer neuartigen Energiespeichertechnologie verunsichert das Unternehmen ganze Branchen. Analysten, Wissenschaftler und Verbraucher sind fasziniert von den technischen Möglichkeiten der nanoFlowcell®, zumal derzeit Diskussionen über die Realisierbarkeit einer "modernen" Elektromobilität und deren nachhaltige Erfolgschancen überaus kontrovers geführt werden.

nanoFlowcell-Entwicklungsfahrzeug QUANTiNO mit nanoFlowcell®-Antrieb auf Testfahrt in der Züricher Innenstadt.

Für das Schweizer F+E Unternehmen steht fest, die auf Flusszellen-Technologie basierende nanoFlowcell® wird Mobilität von der Abhängigkeit fossiler Brennstoffe lösen und derzeitige Batteriesysteme ersetzen, die als Energielieferant in Elektrofahrzeugen Autofahrern wie Herstellern zu viele Kompromisse abfordern. Elektromobilität ist also nicht nur ein "cooles Gadget" im Premiumsegment, sondern mit nanoFlowcell® auch eine machbare und bezahlbare Technologie, vom Kleinwagen bis hin zum Lastkraftwagen.

Wird dieser disruptive Prozess der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen? Zumindest bietet das nanoFlowcell®-Antriebssystem eine leistungsequivalente Alternative zu modernen Verbrennungsmotoren in Automobilen, Schiffen oder Schienenfahrzeugen sowie eine anwenderfreundlichere und umweltgerechtere Technologie, als die derzeit in modernen Elektrofahrzeugen eingesetzte Lithium-Ionen-Technologie.

Ja, nanoFlowcell® ist eine disruptive Technologie mit Auswirkung auf den Markt für mobile Energiespeicher, fossilen Brennstoffen und Verbrennungsmotoren. Ein Tesla mit nanoFlowcell®-Antrieb wäre leichter und sicherer, hätte eine größere Reichweite und wäre günstiger, dennoch wäre das Unternehmen kein "Disruptor".

nanoFlowcell® ist keine Technologie, die Automobilhersteller per se vom Markt verdrängt, noch mit diesen in Konkurrenz treten möchte. Vielmehr eröffnet nanoFlowcell® Automobilherstellern erstmals die Möglichkeit, den Bedürfnissen ihrer Kunden nach Fahrzeugen zu entsprechen, die umweltgerecht, innovativ und kostengünstig sind, ohne dass diese dabei Kompromisse in der Leistung, der Sicherheit und dem Komfort hinnehmen müssen.

So wie ein Phönix der Asche entsteigt, wird Elektromobilität wie wir sie heute kennen, von einer bedürfnisadequaten, nanoFlowcell®-basierten Elektromobilität abgelöst werden.

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